Franzis Fragen an Timo

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Franzi: Warum hast Du Dich für Nephrologie bzw Dialyse entschieden?

Timo: Es gibt mehrere Gründe dafür. Der wirklich erste war, dass mich ein total netter erst Chef, mittlerweile Praxispartner gefragt hat, ob es nicht mal mit Dialyse ausprobieren möchte. Am Anfang war das gar nicht so leicht. Ich hatte ein paar Jahre Innere Medizin und Intensivmedizin gemacht, aber von Dialyse ehrlicherweise keine Ahnung. Im Krankenhaus hatten die Dialysepatienten auch immer einen eher schwierigen Ruf: kennen sich mit Ihrer Erkrankung häufig besser aus als der Arzt, man muss bei Zugängen (die sowieso schon immer schwierig sind) noch mehr aufpassen, die Medikamente sind immer kompliziert und ausserdem sind sie dreimal pro Woche bei anderen Ärzten zu denen sie mehr Vertrauen haben. Das machte die Dialyse gar nicht so richtig attraktiv am Anfang und ich habe wirklich viel dazulernen müssen über die Zeit. Doch dann habe ich es irgendwann sehr geschätzt. Plötzlich war ich nämlich die Vertrauensperson dieser Patienten, vielleicht sogar noch mehr als mancher Hausarzt: immerhin sah ich sie jede Woche mehrmals und kannte sie besser, als jeder andere, kannte ihre Familie, ihre Sorgen, ihre Angehörigen. Ausserdem ist Dialyse genau die Schnittstelle zwischen Krankenhaus und Praxis, es kommen manchmal wirklich anspruchsvolle Krankheitsbilder auf uns zu, die wir versuchen müssen, im Team zu behandeln, das ist wirklich toll. Nicht zuletzt finde ich es grossartig, in einem wirklich tollen Umfeld meine Patienten behandeln zu können. Ich schätze unsere GuK und MfA sehr und freue mich, mit Ihnen zusammen manchmal auch neue Wege zu gehen und Ihre Ansätze und Ideen in unsere Praxis miteinfliessen zu lassen. Diese Freiheit hatte ich im Krankenhaus nicht.

Franzi: Wie schaltest du ab?

Timo: In der Regel ist es so, dass ich nach einer Stunde zuhause durch meine beiden Jungs schon so wieder im Elternalltag drin bin, dass vieles an Problemen aus dem Arbeitsalltag langsam verschwindet. Ausserdem muss ich sagen, dass ich viele tolle Kollegen und Mitarbeiter habe, mit denen ich Dinge gemeinsam bearbeiten kann. Dadurch läuft vieles leichter. Immer wieder belastend finde ich den Druck, der von Seiten der Regulationsbehörden kommt und mit jedem Jahr mehr wird. Die Regeln, Kürzungen und neuen Vorschriften, die uns immer wieder zusätzlich auferlegt werden, belasten mich sehr und führen zu einer Ohnmacht, die ich gerne aufbrechen würde. Darum habe ich mich mit anderen Menschen im Gesundheitswesen zum “twankenhaus” zusammengetan.

Franzi: Berge oder Meer?

Timo: Ganz klar: das Meer. Unsere Familie ist so oft es geht am Strand in Cuxhaven. Die Kinder und ich toben dort und tanken Sonne, Wind und salzige Luft! Wir matschen mach Herzenslust im Watt und schlagen und Abends die Bäuche mit Pizza und Pommes voll. 😃

Franzi: Lieblingssprichwort?

Timo: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es hinaus. Gerade im zwischenmenschlichen Umgang ist es wichtig, immer wieder ein paar Stufen diplomatischer zu sein, als man es manchmal vielleicht eigentlich möchte. Nur so bekommt man wirklich Zugang. Das ist für mich nicht immer leicht. Viele, die mich kennen wissen, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin, der seinen Ärger über manche Dinge manchmal sehr im Zaun halten muss. 😂

Über den Autoren

TK

Timo, 41 Jahre alt, Dialysearzt.

von TK

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