Der Dialyseshunt

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Franzi hat ja bereits die wichtigsten Dinge über ihren Shunt [sprich: Schand] erzählt. Das Problem bei der Dialyse ist halt die Menge des Blutes, die in den 4 Stunden umgesetzt werden sollte. In der Regel sind das so 40-60 Liter Blutvolumen (ja, soviel hat kein Mensch, aber alles fließt mehrfach durch). Die Reinigung des Blutes findet schon sehr effektiv statt, dass heißt, jeder Tropfen, der wieder in den Körper eintritt, ist gut gereinigt, aber bei seiner nächsten Runde durch den Körper nimmt er halt wieder Giftstoffe aus den Organen auf und gibt diese bei seiner nächsten Filterpassage ab.

Um solche riesigen Flüssigkeitsmengen “bewegen” zu können, reicht ein normal zugängliches Blutgefäß nicht aus. Daher unterscheidet man grob 2 verschiedene Arten von Hämodialyse-Zugängen (Blutwäschezugängen). Katheter (hier spricht man dann z.B. von Shaldon-Kathetern, Demers-Kathetern, Vorhofkathetern) die als Plastikschlauch in einer großen Vene liegen und durch die Haut nach außen austreten und Shunts (hier gibt es zum Beispiel Ciminoshunts, Ellenbeugenshunts, Oberarmshunts, Kunststoff-Shunts, Prothesenshunts). Diese liegen permanent unter der Haut und werden zur Dialyse mit Nadeln angestochen und bieten vor allem den Vorteil der deutlich geringen Infektionsquoten und werden langläufig bevorzugt.

Die Punktion – gerade am Anfang der Dialyse sind anspruchsvoll. Nach der “Reifezeit” eines Shunts von 4-12 Wochen nach Operation sind meistens erfahrene Schwestern/Pfleger diejenigen, die die ersten Punktionsversuche starten – manchmal mit einer Nadel, manchmal gleich mit zweien. In meinen hier gezeigten Bildern seht Ihr einen Punktionskurs mit Ultraschallunterstützung. Für diejenigen unter Euch, die Einblick in das medizinische Arbeiten haben: es sind Minutensteaks von Aldi, dazwischen eine Gelantinewurst (Gefäßdemo, kann man z.B. hier bestellen), umwickelt von Frischhaltefolie. Ein steriles Arbeiten oder die Abnahme von Ringen ist für das Schnitzel nicht erforderlich, ich bin für diese Bilder schonmal auf twitter merkwürdigerweise geflamed worden, obwohl es jedem klar sein dürfte, dass die Herangehensweise beim Patienten andere hypgienische Herangehensweisen erfordert.

Der Vorteil dieser sonographischen Punktion liegt klar auf der Hand: anstatt das Gefäß nur zu “erfühlen” kann man es sehen, im Verlauf darstellen und sieht sogar die Punktionsnadel im Gefäß und kann dadurch unter Sicht im Zweifel auch einmal die Nadel korrigieren oder einen Shuntverschluss (sowas kommt auch mal vor) bereits vor Punktion leicht entdecken. Mittlerweile haben wir mehrere Pflegekräfte an Ultraschallgeräten ausgebildet und auch für jede Praxis mindestens ein tragbares für die Punktion angeschafft, um diese Methode zu nutzen. Allerdings nur in Spezialfällen (schwieriger Shuntverlauf, Erstpunktion, etc.), normal wird nur nach Tasten punktiert, wie sonst auch.

Als schade empfinde ich, dass dieser Fortschritt nicht seitens der Kostenträger honoriert wird. Es ist ein erheblicher Zeitaufwand, Schulungsaufwand und vor allem Materialeinsatz (ein solches Ultraschallgerät kostet derzeit ca. 4000 Euro in der Anschaffung). Die Patienten profitieren deutlich durch die atraumatischeren Punktionen und ich möchte wetten, dass auch Komplikationen weniger werden. Trotzdem wird auch hier einmal wieder alles unter dem “Flatratemodell Dialyse” abgebucht. Das kann ich nicht verstehen und empfinde es auch als unfair den Leistungserbringern gegenüber.

Falls jemand Interesse an der ultraschallgestützten Shuntpunktion hat, den möchte ich gerne einladen, mit mir Kontakt aufzunehmen, er kann sich dieses gerne bei uns einmal ansehen und unsere Erfahrungen damit live ansehen. Als Kurs empfehlenswert fand ich denjenigen der PHV/ifw, den ich gerne verlinke.

Zuguterletzt gibt es auch Patienten, die sich selber die Nadeln legen. Studien konnten zeigen, dass die Komplikationsrate geringer ist, wenn das ein Patient selber macht, so er denn gut eingeübt wurde. Das liegt vor allem daran, dass man irgendwann die Eigenheiten des eigenen Shunts besser kennt, als es wechselnde Punkteure (Krankenpflegekräfte) tun. Praktischer Vergleich: ich kann mein Auto auch besser in meiner Garage einparken, weil ich das täglich mache, als wenn es mein Nachbar bei mir versucht.

Es gibt noch viel mehr zu Shunts als Dialysezugang zu schreiben, aber das soll für heute einmal reichen.

Über den Autoren

TK

Timo, 41 Jahre alt, Dialysearzt.

von TK

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