Trinkmenge, Flüssigkeitsbilanzbilanz, Fluid-Management

T

Trinkmenge ist ein zentrales Thema bei Nierenerkrankungen. Wenngleich der Begriff eigentlich gar nicht treffend ist. Eigentlich müsste es Flüssigkeitsbilanz heissen. Nähern wir uns mal von der nierengesunden Seite dem Thema an.

Normalerweise scheiden wir überflüssiges Wasser über unsere Nieren aus. Die Trinkmenge des normalen Mitteleuropäers bei gemäßigtem Klima dürfte so um die 2 Liter pro Tag sein. More or less. Die Urinmenge so circa. 1,5 Liter betragen. Ein halber Liter geht in der Regel für Schwitzen und Flüssigkeitsverlust über die Atmung drauf. Summa summarum: das was reingeht, geht auch raus.

Bei heißem Wetter trinken wir dann mal 2 Liter mehr, dafür Schwitzen wir dann aber dann auch erheblich, bei kaltem Wetter vielleicht andersrum. Der eine trinkt mehr Wasser, der andere isst ne Grapefruit – hä? ich dachte es geht um trinken. Naja, eigentlich nicht. Wahrscheinlich könntet ihr Euren Flüssigkeitsbedarf auch über Wassermelonen, Mandarinen und Suppe decken. Das ist ja eigentlich auch Flüssigkeit und fließt in die Bilanzierung mit ein. Die meisten Früchte sind ja nichts anderes als Wasser und Zellulose.

Neben dem Wetter (Hitze) gibt es natürlich auch andere Faktoren, weswegen wir Flüssigkeit (ich schreibe nun nicht mehr Wasser) verlieren können. Neben wir einmal Durchfall. Ihr habt sicher auch bemerkt, dass man dann weniger oder konzentrierteren Urin ausscheidet und mehr trinken soll – wegen der Flüssigkeitsbilanz eben. Patienten mit Kurzdarmsyndrom haben das häufig auch, da nimmt der Darm halt das Wasser nicht wieder auf und sie scheiden eine Menge Flüssigkeit über den Darm aus.

Dialysepatienten haben wie ihr ja wisst in der Regel ein Nierenproblem. Bei einem Teil der Patienten bedeutet dieses aber noch lange nicht, dass sie kein Wasser lassen können. Gerade in den ersten Jahren einer solchen Erkrankung ist das Wasserlassen noch erhalten und sie können vollständig oder zumindest teilweise trotz der kranken Nieren den Flüssigkeitshaushalt selber (oder mit Tabletten zur Ausscheidungsförderung, sog. Wassertabletten/Diuretika) einigermaßen selber regeln. Die Dialyse ist in diesen Fällen hauptsächlich zur Reinigung des Blutes da. Mit den Jahren verliert sich diese Funktion leider in vielen Fällen, sodass zunehmend die Dialysemaschine das Wasser entfernen muss. Die grobe Faustregel lautete einmal: Flüssigkeitszufuhr (Trinken/Suppe/wasserhaltiges Obst/…) = Summe aus Restausscheidung+(500ml(tgl.)). Sprich: 1 Liter Restausscheidung/Tag bedeutet 1,5 Liter Flüssigkeitszufuhr erlaubt. Bei Extremsituationen (hohe Temperaturen, Durchfallerkrankung, Fieber, etc.) weicht sich das natürlich individuell auf.

Flüssigkeitsmanagement während der Dialyse

Bei der Dialyse kann man Wasser ziehen. Wie funktioniert das? Nunja, ganz grob gesagt zwackt man aus jedem Milliliter Blut, der über den Dialysefilter läuft, einen kleinen Flüssigkeitsanteil ab und gibt den Rest zurück. Da Blut halt auch zur einem größeren Teil aus Wasser besteht, ist das technisch möglich. Auch hier gibt es eine grobe Faustregel (die wieder individuell unterschiedlich angepasst werden muss): maximal 800 ml Flüssikeit können pro Stunde Hämodialyse entzogen werden, um keine größeren Kreislaufprobleme zu bekommen. Bei 4 Stunden Dialyse also 4×800 ml=3200 ml. Grunderkrankungen (Herzerkrankungen, Lebererkrankungen,…) spielen hier aber auch mit rein, sodass diese Regel bei weitem nicht für alle Patienten gilt. Langläufig gilt die Dialyse als schlechter verträglich, je mehr Wasser entfernt werden muss. Patienten die nur “gewaschen” und nicht “entzogen” werden, berichten in der Regel viel seltener von Problemen nach der Dialyse als diejenigen, wo maximaler Wasserentzug notwendig ist.

Wie wird der Wasserentzug bei der Dialyse festgelegt

In der Regel definiert der Arzt ein Sollgewicht für den Patienten. Dieses legt fest, wieviel Kilogramm der Patient nach der Dialyse wiegen soll. Nehmen wir als Beispiel Frau Mustermann. Diese hat ein Sollgewicht von 70 Kilogramm. Mit diesem wird sie am Montag nach der Dialyse nach Hause entlassen. Am Mittwoch, zum nächsten Dialysetermin stellt sie sich vor der Behandlung wieder auf die gleiche Waage, die zeit 72.2 kg an. Also ein PLUS von 2,2 kg. Sie sucht Ihren Dialyseplatz auf und die Krankenschwester stellt in der Maschine dann 2,7 Liter Entzug ein – hä – warum 2,7? es waren doch nur 2,2? – In vielen Dialysen wird Essen und Trinken gereicht, daher wird häufig ein halbes Kilogramm zum errechneten Gewichtsunterschied dazugezählt. Diese 2,7 kg werden in 4 Stunden Dialyse “gezogen” – das entspricht dann einem Entzug von 675 ml/Stunde. Am Ende der Behandlung geht sie dann wieder auf die Waage und in der Regel trifft man bis auf 100-200 Gramm das Sollgewicht.

Wie wird das Sollgewicht festgelegt?

Hier spielen wieder Vorerkrankungen, Untersuchungen (Ödeme?, Luftnot?, Blutdruck) und technische Untersuchungen wie Ultraschall oder andere Messprinzipien eine Rolle. Dazu ein Andermal mehr.

Das Thema sollte immer individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Es sind immer Individualisierungen notwendig – und die Flüssigkeitsbilanz bietet leider immer wieder Konfliktpotential. Da das Thema riesig in das Leben der Patienten eingreift und sehr belastend sein kann, sollten alle Entscheidungen hier gut begründet sein und eine für den Patienten transparent.

Über den Autoren

TK

Timo, 41 Jahre alt, Dialysearzt.

von TK

Neueste Beiträge

Archiv

#twialyse

Hallo Mutter Influenza! Lange nicht gesehen, waren nicht viel unterwegs. Und wer ist das da, ach der kleine Covid? Schon weit rumgekommen, der Kleine?

Mir wurden heute bei der #twialyse gefühlte Drölfzigtausend Blutröhrchen abgenommen.

Ein Mitpatient hat zwei Beutel Blut bekommen.

Bisschen auffällig...

Trau ich mich und gehe morgen nach 5 Wochen zuhause (#twialyse ausgenommen) mal mit Maske raus und setzte mich in den Garten meiner Eltern?

Ich muss mich übrigens mal auskotzen

Masken und #twialyse

Wir haben einen neuen Zettel bekommen mit Anweisungen zwecks #COVID19 und Dialyse.

Jeder muss einen MNS tragen und vorher klingeln. Ohne wird nicht dialysiert. Wenn Patienten eine ffp2/3 Maske MIT Ventil

1/x

Load More...