Informierte Patienten

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Ich wurde gebeten, einen Beitrag über informierte Patienten zu schreiben. Das ist wirklich eine kleine Herausforderung. Ich fange mal vorne an. Bei uns in der Praxis ist der aufwändigste Fall ein D-Fall (kurz für “Diagnostik-Fall”), quasi der Erstkontakt zu unserer Praxis eines Patienten im Regelbetrieb. Von diesen Fällen machen wir Ärzte in der Regel einen am Tag. Die Arzt-Patiententenzeit wir mit ca. 45-60 Minuten direktem Kontakt angesetzt, hinzu kommt noch der Kontakt zu unseren MFA, der auch mit 15-20 Minuten angesetzt wird.

Man kann sich sicher vorstellen, dass in der einen Stunde, die man hat, wirklich viel auf den Tisch kommt. Ich bin immer hellauf begeistert, wenn ich den ein oder anderen Arztbrief in Händen halte, vielleicht Laborwerte und nicht nur diejenigen, die akut zur Überweisung geführt haben. Man darf sich nichts vormachen: die ausgestellten Überweisungsformulare – einst als Informationsträger gedacht – werden meistens nur sehr unvollständig ausgefüllt. Häufig steht da nur drauf “Untersuchung erbeten.” – das hilft keinem.

Foto von Abby Chung von Pexels.

Informierte Patienten, die im groben berichten können, welche Krankheiten sie haben, wie sie bis jetzt therapiert worden sind oder welche Operationen sie hatten, sind ein Geschenk des Himmels. Man hat eine Chance, sic

h über mögliche Erkrankungen Gedanken zu machen, Erkennt vielleicht Muster, kann eine Abschätzung vornehmen, wie hoch die “Bedrohungslage” ist und sich eine qualifizierte Meinung bilden. Die Qualität der Untersuchung wird durch die Informationen, die man generieren kann, bestimmt. Und da kommen nicht nur Hausärzte und Fachärzte zum Tragen, sondern auch ganz erheblich der Patient.

Gesundheit ist meines Erachtens ein Gut, dass man selbst verwalten muss. Auch die Kenntnisse über die eigene. Gebe ich das komplett aus der Hand, kann ich Pech haben. So ist es mit jeder Firma – überlasse ich alles dem Geschäftsführer ohne mich selber zu kümmern, kann ich Glück haben, aber wenns daneben geht, bin ich der Leidtragende. Darum halte ich Selbstverantwortung für wichtig.

Schwierig wird es bisweilen dann, wenn aus der Selbstverantwortung, Selbstinformation und Selbstbestimmung falsche Schlüsse gezogen werden und die Beratung nicht mehr angenommen werden kann. Ärzte sind heute in der Regel so “aufgewachsen”, Patienten zu einer gemeinsamen Entscheidung hin zu beraten, nicht mehr direktiv zu agieren, wie es wahrscheinlich eine Generation vorher war (so kenne ich das noch als Kind). Es gibt eine Vielzahl von Informationsquellen – von der Apothekenumschau bis zum Selbsthilfeforum im Internet. Hier die richtigen zu treffen ist bisweilen schwierig und die Beurteilung der Qualität ist sicher eine Herausforderung. Wenn ich daran denke, dass ich bei manchen Erkrankungen echt jedes Mal mir die neuen Therapieleitlinien und -Empfehlungen neu zusammensuchen muss, ist es für einen Laien fast unmöglich, das zu tun.

Hier auf der einen Seite informiert zu sein – und auf der anderen Seite diese Informationen gemeinsam im Team mit dem Arzt einzuschätzen – ist wohl die hohe Kunst des miteinander Redens. In meiner täglichen Praxis versuche ich bei neuen Patienten immer den Block des gemeinsamen Diskurses an das Ende jeder Untersuchung zu stellen. Fasse nochmal die erhobenen Befunde zusammen und diskutiere mit ihnen – auf der Stufe ihrer Möglichkeiten – das weitere Vorgehen. In der Regel biete ich den Patienten auch noch einmal an, einige Tage später zu telefonieren, um bis dahin eingegangene neue Befunde oder Vorberichte gemeinsam zu besprechen und gleichzeitig neu aufgetauchte Fragen zu beantworten. Bei diesem Termin besprechen wir dann meist auch, wann eine Follow-up Untersuchung stattfinden soll.

Meine Hoffnung ist, hierdurch Wissen, Vertrauen und Selbstverantwortung der Patienten zu stärken und eine individuelle Therapieentscheidung zu ermöglichen.
#twialyse #consent #information

Über den Autoren

TK

Timo, 41 Jahre alt, Dialysearzt.

von TK

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